Mittlerweile hat sich bei uns ein Zweitage-Rhythmus eingependelt: Ein Tag Ausflug, ein Tag Chillen. Daher freuten wir uns heute auf einen weiteren Ausflug in die Pyrenäen. Und zwar wollten in den kleinen Ort Casteil am den Fuße des Mont Canigou fahren, um auf das berühmte Kloster, die Abbaye St Martin du Canigou hoch zu wandern. Da kein Wind in Aussicht war, schlossen sich auf die beiden anderen Familien uns nach dem obligatorischen Poolbesuch nach dem Frühstück an.
In Kolonne ging es dann mit den Autos Richtung Villefranche-de-Conflent, einer mittelalterlichen Festungsstadt, die wir uns letztes Jahr bereits angeschaut hatten. Von Villefranch-de-Conflent ging es dann auf einer kleinen Bergstraße an den Ausläufern des Massifs des Mont Canigou hinauf in das kleine Bergdorf Casteil, wo wir unsere Autos auf einem Wanderparkplatz abstellen konnten. Von hier ging es nun zu Fuß weiter, obwohl das Wetter gar nicht so gut war und wir immer wieder ein dumpfes Gewittergrollen in Bergen hören konnten.

Ein kleiner Betonweg führte uns dann aus Casteil hinaus. Auf diesem Chemin de St Martin ging es nun relativ steil in den Berg hinein und führte uns über Serpentinen immer weiter hinauf. Je höher wir kamen hatten wir immer wieder tolle Blicke auf die Umgebung begleitet vom leisen Rauschen des Wildbachs, der etwas unterhalb des Weges dahinplätscherte. Auf halber Strecke zur Abbaye und ca. 150 überwundenen Höhenmetern sind wir an einer kleinen Kapelle „Chapelle Saint Benoit“ vorbeigelaufen. Nach insgesamt 300 Höhenmetern und einem tollen Weg durch den schattigen Wald, sahen wir durch die Bäume endlich das alte Kloster. Da gerade einmal die Sonne durch die vielen Wolken durchblickte, wollten wir keine Zeit verlieren und sind noch ein paar Höhenmeter zu einem kleinen Aussichtspunkt hochgeklettert, von dem wir einen wirklich spektakulären Blick auf die Abbaye St Martin du Canigou genießen konnten.
Das Kloster liegt auf einem Felsvorsprung mit steil abfallenden Wänden vor einem herrlichen Bergpanorama und gehört aufgrund dieser atemberaubenden Bauweise auch zu den meistbesuchten Klöstern im Roussillon.

Im Kloster leben heute noch Nonnen und Mönche der katholischen Gemeinschaft der Seligpreisungen, die auch die Führungen selbst organisieren. Die Führung gab es leider nur in Französisch, so dass nicht alle von uns der Nonne folgen konnte. Es gab allerdings Informationszettel in vielen Sprachen, die begleitend zu Führung ausgeteilt wurden. Ich habe versucht so viel wie Möglich von den Ausführungen der Nonne zu verstehen, was an für sich auch ganz gut gelang, obwohl ich weit davon entfernt war, alles zu verstehen.
Das ab 997 erbaute, doppelstöckige Kloster zu Ehren des heiligen St. Martin wurde 1009 vom Bischof von Elne geweiht. Als Gründer gelten der Graf Guifred Cabreta und seine Frau, deren Gräber auch in der Nähe des Kirchturms in den Fels gehauen wurden. Die doppelstöckige Klosterkirche ist wirklich sehr besonders, da sie aus einer Unterkirche in einem Gewölbe im Fels und einer Oberkirche im Freien besteht, die tatsächlich übereinander gebaut wurden. So etwas habe ich vorher noch nie gesehen. Der Kreuzgang ist mit schönen Kapitellen geschmückt, die den christlichen Verhaltenskodex symbolisch darstellen.

Eine weitere Besonderheit des Klosters ist, dass es 1428 in großen Teilen von einem Erdbeben zerstört wurde. Erst 1902 wurde das Kloster vom Bischof von Perpignan wieder restauriert und in mehr oder weniger freien Interpretation wiederaufgebaut.
Nach diesen wirklich tollen Eindrücken sind wir den selben Weg wieder zurück nach Casteil zu unseren Autos gelaufen. zum Glück hatte das Wetter durchgehen gehalten und das schlechte Wetter ist an uns vorbeigezogen. Eigentlich wollten Sandra und ich mit den Kindern noch zu der Gorges de Carança fahren. Da die Zeit aber schon sehr fortgeschritten war, sind wir alle gemeinsam nach Hause gefahren, um gemeinsam den Abend beim Grillen ausklingen zu lassen. Die Gorges de Carança muss dann auf uns bis zum nächsten Jahr warten.